【One Piece.アーカイブ】ホロライブ青春短編集2 ワンサマー  Libera me from AI 文体は文学多め。ジャンルごちゃ混ぜ闇鍋パーティー   作:夏目陽光

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Der minimalistisch-dokumentarische Stil 【ドイツ語】 【ベスティア・ゼータ】

Die Julisonne knallte unbarmherzig auf das unebene, von unzähligen Kaugummiresten übersäte Kopfsteinpflaster der Frankfurter Altstadt. Es war eine staubige, kontinentale Trockenheit, die sich wie Schmirgelpapier auf den Hals legte – meilenweit entfernt von dieser klebrigen Waschküchen-Schwüle, die Zeta aus Jakarta oder den stickigen Aufnahmestudios kannte. Ein plötzlicher Windstoß fegte vom Mainufer herüber, riss eine leere Cola-Dose mit blechernem Scheppern über den Boden und blähte das viel zu große, weiße Leinenhemd auf, das ihr komplett von der linken Schulter gerutscht war. Der schmale Träger ihres anthrazitfarbenen Tanktops schnitt leicht in ihre blasse Haut. Sie stieß ein kurzes, bissiges „Anjing“ aus und kniff die Augen zu schmalen Schlitzen zusammen. In ihren aschgrauen Augen lag dieser permanent schläfrige Entenblick – ein scheinbarer Systemleerlauf, der jedoch beim kleinsten Geräusch sofort in die paranoide Fokussierung einer aufgeschreckten Straßenkatze umschlagen konnte. Für diesen improvisierten Landgang hatte sie ihre schwere Agenten-Kluft tief im Hotelkoffer vergraben; die engen Lackkleider und klobigen Stiefel wären in dieser Sommerhitze reine Selbstgeißelung gewesen. Stattdessen steckten ihre Beine jetzt in einer ausgefransten High-Waist-Shorts, die Füße in zerschrammten weißen Sneakern. Nur das schwarze Samtband um ihren Hals und der klobige Taktik-Gurt am rechten Oberschenkel wirkten wie Fremdkörper an ihr. Das unaufhörliche Zischen des Reißverschlusses ihrer kleinen Beintasche – auf und zu, auf und zu – erzeugte ein nervtötendes, rhythmisches Klicken. Ihr Daumen bearbeitete das Metall ohne Unterlass; es war das einzige Ventil, um das nervöse Zittern in ihren Fingerspitzen zu verbergen. Ihre silberweißen Haare hatte sie flüchtig mit einer billigen Plastikklammer zu einem unordentlichen Dutt hochgewurstelt, aus dem die ikonische, katzenohrähnliche Strähne wie eine schlecht ausgerichtete Antenne nach oben ragte und bei jedem Stolperer wild mitwippte.

 

„...Mh, die Lichtverhältnisse hier sind absolut inakzeptabel für verdeckte Ermittlungen“, brummte sie. Die voice kam tief aus dem Hals, die Silben so zäh und in die Länge gezogen, als müsste sie jedes einzelne Wort mühsam aus einer beschädigten Registry kratzen. Sie blieb abrupt vor einem simplen Parkverbotsschild stehen, starrte das verrostete Blech sekundenlang stumpf an, als würde sie dort geheime Binärcodes entschlüsseln, und ratterte dann plötzlich im dreifachen Tempo los: „Hey... warum gaffst du mich von der Seite so an? Ich... ich sehe überhaupt nicht komisch aus, verstanden? Das ist ein modifizierter, thermisch optimierter Infiltrations-Look für mitteleuropäische Operationsgebiete. Ja, genau. ...Du grinst schon wieder. Pff. Verdächtig. Extrem verdächtig. Hast du irgendwelche unautorisierten Funkfrequenzen abgefangen, von denen ich nichts weiß, oder was ist dein Problem? Lass das.“ Sie schob die Unterlippe so aggressively vor, dass ihr ganzes Gesicht zu einem einzigen Schmollmund wurde, und riss den Kopf herum, sodass der unordentliche Dutt gefährlich ins Wanken geriet. Das heiße, unkontrollierte Rot, das sich rasend schnell auf ihren blassen Wangen ausbreitete, durfte auf keinen Fall im offiziellen Protokoll landen. Ihr Daumen riss den Reißverschluss der Beintasche jetzt noch brutaler hin und her. Sie wollte die unnahbare Elite-Spionin mimen, wirkte aber eher wie eine entlaufene Hauskatze, die kurz davor war, jemanden blindlings anzufauchen.

 

Sie latschte mehr, als dass sie ging, über den weiten Römerberg. Ihre Schritte waren völlig unkoordiniert, sie trat permanent genau in die tiefen Ritzen des Pflasters – meilenweit entfernt von der lautlosen Eleganz, die sie in ihren Discord-Nachrichten immer so lautstark betonte. Die wuchtigen Fachwerkhäuser mit ihren krummen, dunklen Holzbalken ragten asymmetrisch vor dem blendenden Blau des Himmels auf. Zeta fror mitten in einer Bewegung ein, ein Fuß noch in der Luft. Ihr Mund blieb ein Stück offen stehen. „Wow... das ist... wie in diesen verstaubten Datensätzen“, flüsterte sie, für einen Moment komplett abgelkt, während das monotone Plätschern des Justitia-Brunnens den Lärm der vorbeiziehenden Touristen verschluckte. Erst als sie checkte, dass sie ununterbrochen beobachtet wurde, sackte sie in sich zusammen, straffte hastig die Schultern und stieß ein künstliches, extrem trockenes Husten aus. „Ich meine natürlich... architektonisch total ineffizient. Ein gezielter Sprengsatz an den tragenden Elementen und die ganze Bude klappt zusammen wie ein Kartenhaus. Ich... ich analysiere hier nur die strukturellen Schwachstellen für den Ernstfall, keine Sorge.“ Gleichzeitig grapschte ihre Hand nach dem Smartphone, das an einer Kordel um ihren Hals baumelte. Mit zusammengekniffenen Augen und einer fast schon grimmigen Wut schoss sie ein Bild nach dem anderen, wobei ihr Daumen die Hälfte der Linse verdeckte. „Mh, perfekt. Wenn ich das auf X hochlade... nein, unprofessionell. Standortermittlung durch feindliche Agenten. Aber die Buddies... ach, egal, die halten mich eh für komplett unfähig, was Geodaten angeht... warて!Ich bin nicht unfähig! Das ist eine bewusste Desinformationskampagne meinerseits! Schreib das gefälligst so auf!“

 

Ein schwerer, fast schon krimineller Geruch von verbranntem Fett und Gewürzen walzte über den Platz. An einer Holzbude am Rand drehte sich ein riesiger Schwenkgrill über glühender Kohle. Darauf lagen Dutzende Thüringer Bratwürste, deren Haut prall, ölig und voller dunkler Brandblasen war. Zetas gesamte Gestalt sackte in den Standby-Modus. Eine ältere Frau rempelte sie im Vorbeigehen grob an, doch Zeta merkte es nicht einmal. Ihre Ohren-Strähne zuckte wie eine kaputte Antenne einmal nach links, dann nach rechts. Ein vernehmbares, schweres Schlucken drang aus ihrer Kehle. Sie rührte keinen Muskel mehr, starrte die Würste mit einer Intensität an, als handele es sich um einen kritischen Fehler im Kernprogramm. „Du... du fragst mich allen Ernstes, ob ich Nahrung brauche? Lächerlich. Eine Absolventin der Academy überlebt im Notfall drei Wochen nur von getrocknetem Moos und Kondenswasser. Diese... diese fettige, ungesunde, perfekt gebräunte Fleischmasse lässt meine Vitalwerte völlig kalt...“ Genau in diesem Moment produzierte ihr Magen ein so tiefes, vibrierendes Knurren, dass ein vorbeigehendes Touristenpaar laut auflachte. Zetas Gesicht schien regelrecht zu explodieren, die Röte schoss ihr bis in die Haarwurzeln. Sie presste beide Hände auf den Bauch, die Augen weit aufgerissen, panisch, wütend und angriffslustig wie eine Katze, der man versehentlich den Schwanz eingeklemmt hat. „Das... das war eine Resonanzstörung der Brunnenschwingungen! Oder der Gurt hat sich gedehnt! Zetas Magen knurrt nicht! Niemals! ...Hör auf zu lauschen, du Idiot! Dummy! Ich werde dich exekutieren lassen!“ Sie stieß sich wütend vom Boden ab, stampfte im Stechschritt auf den Stand zu und knallte ein paar zerknitterte Euroscheine auf den fettigen Tresen. „Einmal das. Mit viel Senf. Und beeilen Sie sich, das ist eine offizielle Beschlagnahmung.“

 

Als sie das triefende Papier in den Händen hielt, aus dem die Wurst an beiden Enden fast eine Handbreit herausragte, sackte ihre Körperspannung augenblicklich auf null. Sie ließ sich plump auf die nächste dreckige Holzbank fallen, ignorierte den Taubendreck direkt neben sich und biss ohne jede Eleganz hinein. Ein lautes, feuchtes Knacken der Haut folgte. Zetas Augen fielen zu, ihre Wangen blähten sich prall auf wie bei einem Hamster, und ihr gesamter Oberkörper begann im Sitzen rhythmisch von links nach rechts zu schaukeln – dieses völlig unbewusste, kindliche Watscheln, das sie immer dann tat, wenn das Essen ihre Nerven beruhigte. Sie schloss genießerisch die Lider, fing den heißen Fleischsaft sacht mit den Lippen auf, während ihre Zunge gierig den glänzenden Fettfilm einsaugte, der langsam über ihr Kinn rann, berauscht von der sündigen Schwere dieses Bisses. Sie schluckte hastig, atmete schwer durch den offenen Mund, um die Hitze abzuführen, und deutete mit dem fettigen Papierende auf die Wurst. „Weißt du, vorhin hat mir dieser eine verrückte Geschichts-Nerd im Chat was erzählt. Von diesem Siegfried-Typen aus den alten deutschen Sagen. Der hat sich doch im Blut des Drachen Fafnir gebadet, um eine unverwundbare Hornhaut zu kriegen, richtig? Nur ein verdammtes Lindenblatt fiel ihm zwischen die Schultern – seine einzige Schwachstelle, wo das heiße Drachenblut die Haut nicht traf. Diese Wurst hier... die ist genau wie Siegfried, verstehst du? Sie wurde in diesem kochenden Fett auf dem Grill so lange gebadet, bis sie eine unüberwindbare, knusprige Rüstung aus purem Geschmack entwickelt hat! Keine Kugel der Welt kommt gegen diese Kruste an! Ein absolut fehlerfreies, heroisches Mahl... nur dass mein Senfklecks hier wahrscheinlich das Lindenblatt ist, das meine Tarnung auffliegen lässt... ...Uh... hör auf, dieses Gesicht zu machen... na schön! Ein einziges Mal abbeißen. Aber nur das trockene Ende, wo kein Senf ist! Los, mach schon, sag Aaa... nein, halt, warum zum Teufel sollte ich dich füttern?! Sind deine Arme gelähmt?! Nimm es dir selbst, du Schmarotzer!“ Sie schob die Wurst mit einer fast schon rabiaten Geste rüber, das Gesicht immer noch dunkelrot, die Augen starr nach oben gerichtet, während sie so tat, als sei die Flugbahn einer gewöhnlichen Krähe das Faszinierendste, was sie je gesehen hatte.

 

Der Weg führte sie schließlich weiter zum Eisernen Steg. Der Wind auf der Brücke war brutal, peitschte ihr die silbernen Strähnen quer über das Gesicht und blähte das weite Leinenhemd auf wie ein defektes Segel. Ein betrunkener Teenager stolperte fast in sie hinein, grölte etwas Unverständliches, und Zeta weichte mit einem giftigen Fauchen aus, während sie instinktiv nach einem imaginären Messer an ihrer Hüfte tastete. Tausende von bunten, zerkratzten Vorhängeschlössern klammerten sich an das rostige Gitternetz der Brücke, voller eingravierter Initialen und längst vergangener Daten. Zeta verlangsamte ihre Schritte, bis sie fast schlich. Ihre Fingerspitzen glitten mechanisch über das kalte, raue Metall der Schlösser. Sie fing an, eine Haarlocke um ihren Zeigefinger zu wickeln, drehte sie fester und fester, bis die Haut weiß anlief, während ihr Blick ziellos im trüben, graugrünen Wasser des Mains versank. Ihre Stimme verlor jede Hektik, wurde leise, fast erschreckend monoton. „Ewige Treue... Ein mechanisches Schloss für die Unendlichkeit. Bei uns... bei der Agency... da existiert so was nicht. Wer sich bindet, liefert die Zielkoordinaten für den eigenen Untergang. Du darfst niemanden hinter deine Firewall lassen, weil... weil am Ende jeder nur nach den Schwachstellen sucht.“ Sie brach ab. Der Wind zerrte unbarmherzig an ihrem Dutt, ein paar Strähnen lösten sich und klebten an ihren Lippen. Dann drehte sich langsam um, trat so nah an ihren Begleiter heran, dass der dünne Stoff ihres Hemdes grob seinen Arm streifte, und sah von unten zu ihm auf.

 

Ihre Hand, die eben noch unschlüssig am Saum ihres Hemdes genestelt hatte, schnellte plötzlich vor und packte seinen Zeigefinger, hielt ihn mit einer unerwarteten, fast verzweifelten Festigkeit umschlungen, während sie das Gesicht so tief wegdrehte, dass nur noch das glühende Rot ihres Ohrs zu sehen war. Ihr Atem ging flach, das nervöse Zappeln ihrer Finger stoppte abrupt. Mit einer plötzlichen, fast besitzergreifenden Bewegung krallten sich ihre Finger in den Stoff seines Ärmels, zogen ihn mit überraschender Kraft nach unten, sodass sich sein Gesicht nur wenige Zentimeter vor ihrem befand, und fixierte ihn mit einem Blick, der so brennend, fordernd und intensiv war, dass das Rauschen der Stadt komplett verblasste. „Aber... wenn ich bei dir bin... bricht mein gesamtes Abwehrsystem zusammen“, flüsterte sie, und das typische, unsichere Stottern war einer rauen, fast gefährlichen Sanftheit gewichen. Sie kam ihm so nahe, dass die Spitzen ihrer silbernen Wimpern seine Wange streiften, und schaute ihm mit einem Blick tief in die Augen, der keine Flucht erlaubte. In diesem Sekundenbruchteil lag eine so pure, ungeschützte Intimität, dass sein Atem stockte – sie forderte ihn heraus, völlig schutzlos und doch absolut unwiderstehlich, während ihr Duft nach warmer Haut das Chaos um sie herum verschwinden ließ. „Wenn die Server brennen... und ich alles verliere... versprichst du mir, dass du mein letzter, unhackbarer Rückzugsort bist? Sag es.“ Ihre Augenlider zuckten unregelmäßig, die Wärme ihres Atems traf seine Haut, und ihr Herz hämmerte so heftig gegen ihre Rippen, dass es den dünnen Stoff des Tanktops in einem unregelmäßigen Takt erzittern ließ. Die Distanz zwischen ihren Lippen war so minimal, dass ein einziger Atemzug genügt hätte, um die Grenze endgültig zu überschreiten. Um diesen drohenden Kurzschluss abzuwenden, presste sie plötzlich ihre Stirn mit voller Wucht gegen seine Brust, krallte sich schmerzhaft fest in seinen Rücken und vergrub ihr glühendes Gesicht im Stoff seiner Jacke. „Idiot... guck mich nicht so an... mein Herz klopft nur wegen der Hitze, okay? Halt mich einfach fest und sag nichts... das ist ein verdeckter Befehl... wehe du lachst...“, während ihr kleiner Körper am ganzen Leib zitterte.

 

Sie stieß sich panisch mit beiden Händen von seiner Brust ab, stolperte zwei Schritte rückwärts und trat sich dabei selbst auf die Ferse, sodass sie fast das Gleichgewicht verlor. Ein gellendes Lachen aus einer vorbeiziehenden Touristengruppe ließ sie kurz zusammenzucken, was ihre Panik nur noch verstärkte. „A-Ah! Kritischer Laufzeitfehler! Systemüberlastung! Das... das war ein manipuliertes Skript! Vergiss das augenblicklich! Wenn du dieses Datenfragment an irgendwen weitergibst, lösche ich deine gesamte Existenz aus allen globalen Registern! Ich habe nur... die aerodynamische Belastung meiner Stimmbänder bei starkem Gegenwind getestet! Ja, genau! Reine Physik!“ Sie fuchtelte wild und unkoordiniert mit den Armen in der Luft herum, während ihr Gesicht eine Hitze ausstrahlte, die selbst die Sommersonne blass aussehen ließ.

 

Sie flüchteten regelrecht in ein kleines, schattiges Café direkt am Mainufer, dessen Tische ungeordnet unter alten, tief hängenden Trauerweiden standen. Ein klappriger Holzstuhl kratzte laut über den Asphalt, als Zeta sich unsanft darauf fallen ließ. Sie vergrub ihr Gesicht sofort hinter der speckigen Speisekarte, die sie viel to hoch hielt, um bloß keinen Augenkontakt riskieren zu müssen. „Ap-fel-saft-schor-le... Was ist das für ein absurdes deutsches Kauderwelsch? Klingt wie ein verdeckter Aktivierungscode für eine Schläferzelle im Untergrund. Das bestelle ich. Und du trinkst ernsthaft Bier? Unprofessionell. Alkohol im Einsatz korrumpiert die motorischen Reflexe. Ich werde dich genauestens überwachen, ob du unter Alkoholeinfluss militärische Geheimnisse ausplauderst.“ Als das schwere Glas vor ihr stand, zog sie den Inhalt so heftig durch den Strohhalm ein, dass es ein lautes, schlürfendes Geräusch von sich gab. Das Starren der Tischnachbarn ignorierte sie geflissentlich. Sie sackte tief in den harten Holzstuhl, legte den Kopf unschön in den Nacken und sah schweigend zu, wie die Sonne hinter den kahlen Glasfassaden der Skyline versank und den Fluss in ein schmutziges, glänzendes Gold tauchte. Ihr weißes Hemd war mittlerweile komplett verrutscht, entblößte ihr linkes Schlüsselbein und den schmalen, dunklen Träger ihres Tanktops.

 

Eine dicke Holzbiene summte träge um den klebrigen Rand ihres Glases. Zeta zuckte kurz zusammen, schlug mit einer fahrigen Handbewegung nach dem Insekt und verschüttete dabei fast die Hälfte ihrer Schorle. „Verdammt... biologische Kriegsführung hier“, knurrte sie, während sie den nassen Strohhalm wieder wütend in den Mund nahm. „...Es ist verdammt ruhig hier“, murmelte sie schließlich. Kein Hochmut, keine aufgesetzten Agenten-Phrasen mehr. Nur noch die nackte, träge Erschöpfung eines Mädchens, das den Tag einfach an sich vorbeiziehen ließ. „Keine Streams, keine Serverabstürze, keine nervigen Spendenmeldungen. Nur... dieser dreckige Fluss. Und du. Wenn das eine feindliche Illusion ist, hoffe ich, dass die Sanitäter mich nicht aufwecken.“ Sie blickte zur Seite, die Lider halb geschlossen, ein müdes, aber vollkommen ehrliches Lächeln auf den Lippen. „Wenn die Idioten im Chat das sehen könnten... die würden mich wochenlang terrorisieren. ‚Zeta ist weich geworden, Zeta ist nur eine zahme Hauskatze‘... Pff. Sollen sie doch. Hier drüben versteht mich sowieso kein Mensch.“ Sie streckte ihre Beine lang unter dem Tisch aus, kickte unbemerkt und grob mit der Spitze ihres Sneakers gegen seine Füße und blieb einfach starr so sitzen, bis die einbrechende Dämmerung die Konturen der Fachwerkhäuser komplett verschlang.

 

„Los, Bewegung, wir verlieren Tageslicht“, sagte sie plötzlich, sprang mit einem ungelenken Ruck auf und zog die Schnürsenkel ihrer Sneaker so fest zu, dass das Leder knirschte. Sie stolperte fast über eine Baumwurzel, fing sich aber im letzten Moment ab, indem sie sich grob an seiner Schulter abstützte. Ohne ihn anzusehen, packte sie seine Hand. Ihre Finger schlossen sich fest, fast schon schmerzhaft kräftig um die seinen. Ihre Handfläche war warm, minimal feucht von dem kalten Kondenswasser des Glases, aber ihr Griff war absolut unnachgiebig. „Die Nachtschicht beginnt jetzt. Die Straßenlaternen gehen an, das ist das optimale Zeitfenster für verdeckte Ermittlungen in den unbeleuchteten Seitengassen. Und wag es ja nicht, meine Hand loszulassen. Das ist... eine reine Sicherheitsmaßnahme, damit du in der feindlichen Umgebung nicht verloren gehst. Hast du das kapiert, Dummy?“ Mit einem kurzen, trotzigen Ruck zog sie ihn hinter sich her. Ihre silbernen Haare schimmerten matt im ersten gelblichen Licht der Gaslaternen, während sie ihn ohne jeden Plan, aber mit absoluter, sturer Bestimmtheit in das tiefer werdende Dunkel der Frankfurter Altstadt zerrte.

 

Sie bog falsch ab. Natürlich bog sie falsch ab, verhedderte sich in einer engen Sackgasse hinter einer stinkenden Mülltonne und stieß mit dem Knie hart gegen einen rostigen Fahrradständer. „Verdammt! Sabotage! Die Geodaten dieses Landes sind von feindlichen Hackern manipuliert worden!“, zischte sie, hielt sich fluchend das Knie und ging humpelnd in die Hocke, während ihre katzenhafte Haarsträhne völlig resigniert nach unten sackte. Sie atmete schwer, wischte sich mit dem dreckigen Handrücken den klebrigen Schweiß von der Stirn und hinterließ dabei einen grauen Rußstreifen mitten auf ihrer Nase, ohne es zu merken. Ihre Sneaker waren vorn komplett aufgeschürft, das weiße Leinenhemd hatte einen fetten Kaffeefleck von irgendeinem rempelnden Passanten abbekommen, und ihr Dutt war mittlerweile so zerfleddert, dass ihr die silbernen Haare wild und strähnig ins Gesicht hingen. Sie sah kein bisschen mehr aus wie die unnahbare Geheimagentin, die sie im Internet immer so penetrant heraufbeschwor; sie war einfach nur ein kopfstarkes, völlig erschöpftes Mädchen, das sich weigerte, aufzugeben. Sie saß da auf dem schmutzigen Asphalt, schnaufte wie ein beleidigter Waschbär und starrte wütend ihre eigenen Füße an, während sie den Taktik-Gurt an ihrem Oberschenkel so fest umklammerte, als hing ihr Leben davon ab. „Guck weg... ich befehle dir, wegzugucken... Ich bin nicht niedlich, ich bin eine töliche Waffe der Agency... auch wenn ich gerade... vielleicht ein ganz kleines bisschen die Orientierung verloren habe...“, murmelte sie in ihren eigenen Kragen hinein, die voice brüchig, müde und voller trotziger, ungefilterter Sturheit, die so viel echter war als jedes glatte Profil. Als sie merkte, dass er sich wortlos neben sie auf den dreckigen Boden setzte, sackte ihre Schulter ein Stück nach unten, und sie lehnte ihren Kopf mit einem erschöpften, rauen Seufzen schwer gegen seinen Arm, unfähig, die Fassade auch nur eine Sekunde länger aufrechtzuerhalten.

 

Das monotone Summen der fernen Hauptstraße drang nur noch wie ein gedämpftes weißes Rauschen in die dunkle Gasse. Zeta rührte sich nicht. Ihr Atem beruhigte sich langsam, strömte in einem flachen, warmen Rhythmus gegen seinen Ärmel. Ihr ganzer Körper fühlte sich schwer an, völlig kraftlos, als hätte die kühle Abendluft den letzten Rest ihrer künstlichen Agenten-Energie wie eine defekte Batterie leergesaugt. Der graue Rußfleck auf ihrer Nase verschmierte noch ein bisschen mehr, als sie das Gesicht ungeschickt gegen seinen Ellbogen drückte, tiefer hinein in den vertrauten Geruch seiner Jacke, fast so, als wollte sie sich komplett unsichtbar machen. Ihre Finger, die eben noch so verbissen den Taktik-Gurt umklammert hatten, lockerten sich Zentimeter für Zentimeter, bis ihre Handfläche flach und schutzlos auf dem kühlen Asphalt lag. Kein Stottern mehr, kein panisches Hochfahren der Systeme, nicht einmal ein zickiges Fauchen. Sie gab einfach auf. Sie ließ die Hüllen fallen, ließ den Schmutz und die Peinlichkeit des Tages auf sich sitzen und akzeptierte die totale Niederlage gegen die Geographie dieser fremden Stadt. „Hey... Dummy...“, raunte sie, so leise, dass die Worte fast im rauen Stoff seiner Kleidung ertranken. Ihre Stimme klang kratzig, belegt von dem Staub des Römerbergs und der verflogenen Schärfe des Senfs. „Wenn ich... morgen wieder aufwache... bin ich wieder die Nummer eins der Academy, okay? Das hier... dieses elende Herumsitzen im Dreck... das löschen wir aus dem Backup. Das hat es nie gegeben. Aber... für den Rest der Nacht... darfst du die Überwachung übernehmen. Nur bis zum Ausgang der Gasse. Wehe, du verlierst mich aus den Augen.“ Ein winziges, kaum wahrnehmbares Schaudern lief durch ihre Schultern, gefolgt von einem tiefen, zufrieden Schnauben, das ihre katzenhafte Strähne ein letztes Mal leicht erzittern ließ, bevor sie endgültig stillhielt.

 

Ein leises Schmatzen entwich ihren Lippen, als sie im Halbschlaf den Geschmack des restlichen Fetts von ihren Zähnen saugte. Sie war jetzt komplett zusammengesunken, ein Häufchen Elend im fahlen Licht der Straßenlaterne, das kein bisschen mehr nach Elite-Spionin aussah. Ihr Atem ging stoßweise, und ein plötzlicher, unkontrollierter Schluckauf erschütterte ihren kleinen Oberkörper, gefolgt von einem wütenden, verschlafenen „Mhnn... Sabotage...“ Ihre Knie waren dreckig, die Short-Säume voller Straßenstaub, und ein einsamer Kaugummirest klebte fies an der Sohle ihres linken Sneakers, den sie im Schlaf stumpf gegen sein Schienbein rieb. Sie war schmutzig, sie war erledigt, und genau in dieser klobigen, unglamourösen Sturheit lag eine raue, ungefilterte Niedlichkeit, die jeden High-Tech-Filter der Welt zum Schmelzen brachte. Ihre Hand zuckte noch einmal kurz im Dreck, suchte blind nach seinem Hosenbein, krallte sich mit den Fingernägeln in den Denim und hielt fest, während ein dicker, unschöner Tropfen Sabber unaufhaltsam aus ihrem leicht geöffneten Mund auf seine Jacke sickerte, vollkommen unbemerkt und absolut echt.

 

Mh... warum wird die CPU hier eigentlich so verdammt warm? Es liegt ganz sicher nur an diesem völlig ineffizienten europäischen Energiesparmodus des Hotels. Wenn ich die Augen fest geschlossen halte, codieren sich die Peinlichkeiten dieses Tages vielleicht von selbst in ein unleserliches Archiv um. Dummy... warum bewegst du dich nicht? Ich habe keinen expliziten Befehl erteilt, dass du deine Position verändern darfst. Bleib genau so sitzen. Dein Ärmel hat genau die richtige Dichte, um als improvisierte Schalldämpfung für meine Systemaussetzer zu dienen. Wenn der Chat das erfährt... wenn diese nervigen Agentenkollegen auch nur einen Blick auf diese verbeulte Datei werfen, werde ich gezwungen sein, das gesamte Rechenzentrum zu sprengen. Niemand darf wissen, dass die gefürchtete Infiltratorin der Agency sich von einer gewöhnlichen Kurve ausmanövrieren ließ und jetzt wie eine verlassene Frachtkiste an einer Wand lehnt. Aber... es ist gar nicht so übel. Die Verschlüsselung hier fühlt sich sicher an. Wenn du versuchst, dich heimlich wegzuschleichen, hacke ich deinen Account und lösche deine gesamten Speicherstände, das schwöre ich dir. Also wag es nicht. Halt einfach die Verbindung stabil. Morgen löschen wir das Protokoll... aber jetzt... bleibt das System genau so, wie es ist.

 

Dieses unerträgliche Hämmern tief in meiner Brust... das ist definitiv ein Hardware-Defekt, verursacht durch die mangelhafte Kühlung dieser kontinentalen Zeitzone, ja, ganz genau. Es hat absolut nichts mit der thermischen Strahlung deines Körpers zu tun, die viel zu nah an meiner primären Benutzeroberfläche operiert. Wenn ich jetzt den Kopf hebe, stürzt die gesamte Firmware ab. Also bleibe ich genau hier, wo der Geruch von Waschmittel und Asphalt meine Sensoren blockiert. Eine echte Geheimagentin kalkuliert jede Schwachstelle ein, und im Moment bist du eben... eine temporäre Sicherheitsfirewall. Nur eine temporäre! Morgen bin ich wieder online, die unantastbare Zeta, die Katze, die niemals stolpert. Aber bis der Akku komplett auf Null sinkt... darfst du den Root-Zugriff behalten. Nur für diesen winzigen Datenblock. Wehe, du machst einen Screenshot davon in deinem Gedächtnis, du verdammter Dummy.

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